Geigerin Franziska Fessler spricht über ihre Karriere

Aufgewachsen ist sie in Wolpertswende und hat sich für eine professionelle Laufbahn als Musikerin entschieden: Die Geigerin Franziska Fessler lebt derzeit in Trossingen und studiert an der Musikhochschule in der Violinklasse von Prof. Winfried Rademacher. Nicht nur in Oberschwaben ist sie als versierte Geigerin im Duo Arcophon, in verschiedenen Kammermusikbesetzungen und Sinfonieorchestern bekannt. Anfang Juli 2019 wird Sie in der Alten Kirche Mochenwangen konzertieren: „Le Chant de l´amour triomphant“lautet das Programm, in welchem farbenreiche französische Musik des 19. Jahrhunderts zu hören sein wird.Im Interview spricht Franziska Fessler über Ihre Begeisterung an der Musik, ihre ersten Erfahrungen, die jüngsten Eindrücke am Staatstheater Darmstadt und über Ihre Zukunftspläne.

Welche Bedeutung hat die Musik in Ihrem Leben?

Die Musik begleitet mich schon mein ganzes Leben und bestimmt dieses in gewisser Weise auch. Täglich setze ich mich mit ihr auseinander und werde dabei immer wieder vor neue Herausforderungen gestellt. Je nachdem in welcher Besetzung ich Musik mache, schlüpfe ich in unterschiedlichen Rollen. Das ist sehr spannend, aber auch nicht immer einfach. Als Musiker hat man täglich mit vielen verschiedenen Menschen zu tun. Ich denke, das ist auch der Grund, warum ich es so gerne mache. Beim Musizieren mit Kommilitonen oder Kollegen lerne ich ständig von ihnen, manchmal bewusst, aber Vieles ist auch unterbewusst. Das ist wie im Alltag auch: Menschen machen etwas mit einem und genauso das gemeinsame Musizieren.

Spielt das Instrument dabei eine besondere Rolle?

Ja klar, die Geige ist dabei mein Mittel mich auszudrücken. Natürlich werde ich beim Spielen unmittelbar von meinem Instrument beeinflusst, stimmt die Chemie zwischen Instrument und Spieler nicht, wird es schwierig.

Worin mag der Ursprung für das große Interesse an der Musik liegen?

In meiner Familie hat Musik immer schon eine Rolle gespielt. Meine älteren Schwestern haben Instrumente gelernt und ich habe oft beim Üben oder im Unterricht zugehört. Schon als Baby saß ich wohl unter dem Klavier und habe die Pedale blockiert. Meine Mutter hatte Sorge, dass es zu laut sein könnte, aber mir hat das gefallen.

Gab es außer der Familie in dieser Zeit weitere Personen, die dazu beigetragen haben?

Am Anfang war ich vor allem in den musikalischen Einrichtungen des Ortes integriert. So habe ich ganz klassisch mit dem Blockflötenunterricht bei Dietlind Zigelli begonnen, war 10 Jahre lang bei Kuni Schmid in der Mädchenkantorei Wolpertswende. Auch den Geigen- und Klavierunterricht erhielt ich von den örtlichen Lehrern. Musik habe ich eigentlich jeden Tag gemacht, dennoch war es lange einfach ein Hobby. Ob Singen, Klavier oder Geige spielen war ganz egal. Auch getanzt habe ich gerne.

Das war vermutlich nicht alleine das Ausschlaggebende für die professionelle Laufbahn als Musikerin. Wie ging es weiter?

Mit 14 Jahren, als ich zu Alban Beikircher an die Musikschule nach Bad Saulgau gewechselt habe, wurde es mit der Geige sehr intensiv. Ich begann viel zu üben und er öffnete mir die Türen fürs professionelle Berufsleben. Von ihm habe ich viel gelernt und er war sehr richtungsweisend für meinen musikalischen Werdegang. Seit ich an der Musikhochschule in Trossingen bin, studiere ich bei Professor Winfried Rademacher. Er hilft mir Woche für Woche mein Spielen zu perfektionieren. Über mehrere Jahre lernt man sich gut kennen. Wenn ich ihm vorspiele, gebe ich immer was von mir preis, das ist sehr persönlich und ich bin froh, einen Professor zu haben, dem ich vertraue und der mich unterstützt.

Was sind Ihre Empfehlungen für Kinder und deren Eltern beim Einstieg in eine Instrumentalausbildung. Was sollte hier berücksichtigt werden?

Das Wichtigste ist, Interesse für die Musik zu wecken und herauszufinden welches Instrument gut passt. An den Musikschulen werden mehrmals im Jahr Instrumentenvorstellungen angeboten, wo man von Zimmer zu Zimmer gehen und viele verschiedene Instrumente ausprobieren kann. Meistens wissen die Kinder danach intuitiv, welches ihr Instrument ist. Im Instrumentalunterricht ist es dann wichtig, dass es eine gute Mischung aus Musikmachen und dem Erlernen von technischen Vorgängen gibt. Dominiert eine Seite deutlich, endet es meist in Frustration. Das Musizieren bildet natürlich die Basis. Um mit dem Instrument besser umgehen zu können, ist aber eben auch eine Grundlage an Technik notwendig. Hat man eine gute Technik, kann man schöner musizieren, da man flexibler mit dem Instrument umgehen kann. Ist der Unterricht aber zu technisch, verliert man die Lust. Ausschlaggebend dabei ist auch, ob die Harmonie zwischen Lehrer und Schüler stimmt. Gerade kleine Kinder üben oft für den Lehrer. Üben die Kinder, geht es schneller voran, was sich dann wiederum positiv auf die Motivation auswirkt. Wichtig ist es, dass man nach wenigen Jahren Unterricht auch die Möglichkeit hat, in einem Ensemble wie beispielsweise in einem örtlichen Musikverein, Chor oder Schulorchester zu spielen. Übt man nur alleine für sich, verliert man meistens irgendwann die Lust.

Neben dem Studium an der Hochschule für Musik Trossingen haben Sie mehrere Monate als Geigerin im Orchester am Staatstheater in Darmstadt mitgewirkt. Was ist Ihr Eindruck?

Das war eine ganz tolle Zeit, an die ich mich gerne erinnere. In Darmstadt habe ich zum ersten Mal als Geigerin in einem Opernorchester gearbeitet. Mein Studium in Trossingen hat in dieser Zeit geruht. Am Staatstheater in Darmstadt habe ich eine Vielfalt an Opernliteratur kennengelernt. Von Puccinis „Tosca“, Wagners „Holländer“, mehrere Verdi- und natürlich Mozart-Opern waren dabei. Im Orchestergraben zu spielen ist eine ganz besondere Atmosphäre. Anders als im Sinfoniekonzert wird man von den meisten Zuhörern nicht gesehen. Auch als Musiker selbst kann man wiederum fast nichts von der Bühne sehen. So kommt es vor, dass man von einer Oper 15 Vorstellungen spielt, selber die Inszenierung aber nie gesehen hat.

Um eine Opernproduktion zu meistern sind viele Bereiche gefragt. So findet man am Theater nicht nur Musiker, Schauspieler und Tänzer, sondern auch handwerkliche Berufe wie eine Schreinereiabteilung, Schlosser, Polsterer und Tapezierwerkstatt, Frisör, Schneiderei, Lichttechniker und weitere. Durch die vielen Bereiche, die da aufeinandertreffen, ist so ein Theaterbetrieb sehr lebendig und abwechslungsreich. Alle arbeiten auf eine gelungene Vorstellung hin, und doch könnten die Beiträge dafür unterschiedlicher nicht sein. Das Orchester spielt dabei natürlich eine große Rolle, bleibt aber trotzdem verborgen unter der Bühne.

Wie sehen die Pläne für das weitere Studium und für danach aus?

Im September werde ich für ein halbes Jahr nach London ziehen, um mein Studium dort an der Guildhall School of Music & Drama fortzusetzen. Im nächsten Sommer möchte ich dann meinen Bachelorabschluss absolvieren und Aufnahmeprüfungen für einen Master-Studienplatz machen. Das Thema Zukunftspläne ist für uns Musiker ein heikles Thema. Bei uns läuft das nicht wie in vielen anderen Berufen, dass man sich nach dem Abschluss auf eine Stelle bewirbt, 4-5 ausgewählte Vorstellungsgespräche macht und dann im besten Fall einen festen Job hat. Als Musiker muss man sehr flexibel sein. Ich könnte mir sehr gut vorstellen in einem Orchester zu arbeiten. Eine Stelle zu bekommen ist aber ein aufwändiger Prozess und der Markt ist hart umkämpft. Viele Musiker machen bis zu 80 Probespiele um eine feste Stelle im Orchester zu bekommen. Dass das überall in ganz Deutschland oder auch im Ausland sein kann, nimmt man in Kauf. Aussuchen in welcher Stadt man gerne leben möchte, kann man sich eigentlich nicht. Einen Arbeitsvertrag an einer Musikschule zu bekommen ist inzwischen fast genauso schwer, viele Musiker arbeiten daher freiberuflich.

Was sich bei mir ergibt, wird sich zeigen. Sowohl an der Musikschule, als auch im Orchester habe ich inzwischen Berufserfahrungen gesammelt. Ich könnte mir auch eine Mischung aus beidem vorstellen.

Das letzte Konzert in der der Alten Kirche war vor 3 Jahren: „Duo Arcophon“, zusammen mit Jaro Baran. Was erwartet die Konzertbesucher in diesem Jahr?

Drei Jahre ist das schon her? Unglaublich!

In diesem Konzert gibt es zwei zentrale Hauptwerke, zum einen die erste Violinsonate von Gabriel Fauré und zum anderen das Poème von Faurés Landsmann Ernest Chausson. Beides spiele ich mit der Karlsruher Pianistin Hsu-Chen Su, die als Korrepetitorin an der Musikhochschule in Trossingen arbeitet.
Als Kontrast dazu, erklingt mit dem Percussionisten Jaro Baran die Tarantella des dänischen Komponisten Anders Koppel. Anders als im letzten Konzert des Duo Arcophons, in dem ein buntes Programm von arrangierten Werken für Violine und Marimba erklang, ist die Tarantella von Koppel eins der wenigen Originalwerke für diese ungewöhnlich Besetzung. Das Stück erzählt, wie ein Mädchen von der Spinne „Tarantula“ gebissen wurde. Dem Aberglauben nach musste man das Gift durch einen hysterischen Tanz aus dem Körper herausschwitzen. Dementsprechend hitzig geht es in Koppels Tarantella zu.

Für die Gemeinde Wolpertswende ist es ein großer Gewinn, wenn Künstler aus der Region immer wieder zurückkommen und das Kulturprogramm bereichern. Was verbindet Sie selbst mit der Gemeinde und mit der Alten Kirche Mochenwangen?

In Wolpertswende und Mochenwangen hatte ich meine ersten Berührungen mit der Musik. Hier stand ich zum ersten Mal auf der Bühne und wurde an die Musik herangeführt. Die Alte Kirche ist da natürlich ein ganz besonderer Ort. Tatsächlich begleitet sie mich schon mein ganzes Musikerleben. Mit der Mädchenkantorei wurden hier verschiedene Musicals aufgeführt, mit den damaligen Geigenschülern von Johannes Hartmann fanden hier gelegentlich Vorspiele statt und später trat ich dann fast jährlich mit dem Ponticelli Ensemble beim Neujahrskonzert auf. Jetzt wieder zu Hause ein Konzert zu geben ist schon etwas ganz Besonderes. Es ist einfach schön, wenn man Menschen wieder trifft, die man schon so lange kennt und die einen ein Stück im Leben begleitet haben.

Das Konzert findet am Samstag, 6. Juli 2019 um 20.00Uhr in der Alten Kirche Mochenwangen statt. Karten sind an derAbendkasse zu 12€ erhältlich. Kartenreservierungen werden unter karten@alte-kirche-mochenwangen.deangenommen.

Das Interview mit Geigerin Franziska Fessler ist in der Schwäbischen Zeitung, Ausgabe Ravensburg am 3. Juli 2019 erschienen

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